MALAYSIA - SINGAPORE - ZUERICH

10. April 2001, Singapore, 11.00 Uhr, Little India District


Dies wird wohl unser letzter "The Tharek" auf dieser Reise sein ... also geniessen wir dieses schaeumende herrliche Teegetraenk umso mehr, und es wird uns nun doch langsam aber sicher klar, dass dies das Ende unseres einjaehrigen Abenteuers ist.

Wir sitzen als einzige Touristen in einem einfachen Open-Air-Cafe, mitten in einem bunten Gemisch von Indern, Malayen und Chinesen, auf alten Plastikstuehlen und fuehlen uns hier rundum wohl. Schon interessant: Noch vor 3 Monaten war es uns mulmig zumute in diesen Lokalen und wir fuehlten uns beobachtet und unwohl. Mittlerweile haben wir uns ganz gut daran gewoehnt, dass wir halt, vor allem neben den touristischen Trampelpfaden, als kleine Attraktion gelten.

Nun sind wir also - etwas frueher als geplant - bereits in Singapore. Den letzten Bericht haben wir fuer euch in Krabi (Thailand) verfasst, waehrend dem es draussen wie aus Kuebeln regnete ... und dies sollte sich auch fuer die darauffolgende Zeit nicht aendern. Schwere Wolken und taeglicher, teils stundenlanger Regen, begleiteten uns bis an die Grenze zu Malaysia. Aufgrund des andauernden Regenwetters entschieden wir uns in Satun, der suedlichen Grenzstadt an der Westkueste Thailands, mit der Faehre zur Insel Langkawi (Malaysia) ueberzusetzen. Somit fand der Landeswechsel auf dem Wasserweg statt.

Gluecklicherweise waren wir 2 Stunden zu frueh am Pier und erreichten deshalb in letzter Minute die einzige Faehre fuer diesen Tag. Der uns noch am Tag zuvor bestaetigte Fahrplan, wurde kurzerhand annulliert und saemtliche weiteren Fahrten fuer diesen Tag ersatzlos gestrichen! Die Tuecken Suedostasiens ...

Eine ueberraschend moderne Faehre brachte uns im Schnelltempo zur Insel Langkawi, wo zu unserer Begruessung ein Monsunsturm tobte.

Am naechsten Morgen blinzelte uns die Sonne durch die Ritzen der Bungalow-Wand entgegen. Topmotiviert brachen wir zu einer Inselumrundung auf. Die Insel waere zum Radfahren ein Paradies - wenig Verkehr, wunderschoene huegelige Strecken, sehr gute Strassen ... aber in einer anderen Jahreszeit! Denn bereits nach 10 Kilometer hatten uns die Regenwolken wieder entdeckt und es schiffte fuer die naechsten 70 Kilometer.

Weitere zwei Tage auf Langkawi verbrachten wir mit "Wetterkunde" und Abwarten. Da keine Besserung eintrat und auch die CNN-Wettervorhersage 5 weitere Tage Regen versprach, verluden wir unsere Velos auf die naechste Faehre nach Penang Island.

Waehrend der Fahrt auf offenem Meer wurde uns klar: Wir muessen eine Entscheidung treffen! Soweit das Auge reichte, war der Himmel dunkelgrau bis schwarz und das Meer tobte wild. (Zum Glueck war dies ein geschlossenes Boot - sonst haette Karin bestimmt wieder ihre Brille versenkt!)

Die Tage in der aeusserst interessanten, multikulturellen Stadt Georgetown auf Penang, waren gepraegt von Gefuehlsschwankungen, Entscheidungen und weiteren Reiseplanungen. Nach einigem Hin- und Her und einer weiteren verregneten Inselrundfahrt waren wir uns einig: Wir gehen nach hause! (Wo es wahrscheinlich auch regnet ...!)

Wir kauften uns Tickets fuer den Flug von Penang nach Johor Barhu, der suedlichsten Stadt auf der Malayischen Halbinsel.

Am Abend landete unsere Maschine in Johor Barhu. Um etwa 19.00 Uhr machten wir uns auf den Weg vom Flughafen in die City von Johor Barhu. Diese 30 Kilometer sollten fuer uns zum "Horror-Trip" werden: Die sechsspurige "Autobahn" auf welcher wir fahren mussten, war sehr stark befahren, es war stockdunkel und nach einer halben Stunde fing es natuerlich auch wieder an zu regnen. Endlich dann in der Stadt angekommen, fanden wir erst nach einer laengeren Irrfahrt gegen 23.00 Uhr ein Hotel. Diese Strecke ist fuer Radfahrer absolut NICHT zu empfehlen!

Tags darauf ueberquerten wir die lange Bruecke, welche das Festland mit dem Inselstaat Singapore verbindet. Nach einer recht angenehmen Fahrt durch den geordneten Verkehr, erreichten wir unsere letzte Destination Singapore. Natuerlich oeffnete "Petrus" auch hier saemtliche Himmelsschleusen zu unserer Begruessung. Noch drei Tage bis zu unserem Rueckflug.

Und nun, ein paar Stunden vor dem Abflug, moechten wir kurz zurueckblicken auf das vergangene Jahr. "Unser Jahr"! Ein unvergessliches Jahr fuer uns beide, mit wichtigen Erfahrungen fuer's Leben gespickt. Das intensive Reisen mit dem Fahrrad hat uns neue Werte aufgezeigt und neue Horizonte eroeffnet. Wir haben viel gelernt, viel gegeben und noch viel mehr erhalten. Die Erinnerungen werden unser Antrieb fuer den "Alltag" sein und unsere Plaene fuer die Zukunft mitgestalten. Wir werden wohl viel an dieses Jahr zurueckdenken - und wer weiss, vielleicht war dieses Abenteuer ja doch nicht einmalig ?

Wir moechten uns nun noch ganz herzlich bei allen bedanken, die uns auf unserer Website mitverfolgt, uns gute Wuensche gesandt und uns in Gedanken auf unserem Weg unterstuetzt haben. Wir freuen uns auf euch!

Einen ganz speziellen Dank widmen wir "Bue", unserem Freund und Webmaster. Er war dafuer verantwortlich, dass ihr unsere Photos so toll praesentiert betrachten, und stets unsere aktuellen Berichte lesen konntet. Die Aufbereitung der Bilder ist eine Riesenarbeit und wir schaetzen seine Arbeit sehr! Bue, ganz herzlichen Dank!

Ebenfalls ein herzlichen Dankeschoen moechten wir allen Leuten aussprechen, welche uns bei den Vorbereitungen fuer unser Projekt unterstuetzt haben.

So, DIE ZEIT IST NUN REIF, von unserem Projekt Abschied zu nehmen! Wir wuenschen allen Lesern alles Gute und danken nochmals fuer das entgegengebrachte Interesse.

See you soon!

Karin und Thomy

PS. Wir werden die Seite nach unserer Rueckkehr nachbearbeiten und eine "Radreise - Tipseite" einrichten. Ebenfalls werden wir wohl wieder MTB-Touren anbieten - also, schaut doch hin und wieder mal rein bei www.bike-people.ch.


THAILAND - DER SUEDEN
Bangkok - Phuket - Krabi


Als erstes moechten wir es nicht versaeumen, uns an dieser Stelle bei unseren Freunden Birgit und Guenther aus dem Suedtirol, nochmals ganz herzlich zu bedanken. In Chiang Mai haben sie sich, waehrend dem es uns zielmlich "dreckig" erging, ruehrend und sehr fuersorglich um uns gekuemmert. Danke!

Um 17.25 Uhr fuhr er also los; der komfortable Nachtzug, der uns von Chiang Mai nach Bangkok zurueckbrachte. Leicht durchgeruettelt, aber dank den bequemen Liegebetten trotzdem recht entspannt, erreichten wir Bangkok im Morgengrauen.

Riesengross war unsere Freude, als wir das breite, noch etwas verschlafene Grinsen unserer zwei Radlerfreunde Toni und Silla aus der Schweiz in der quirligen Menschenmenge des Bahnhofs ausmachten! Die zwei sind im Sommer 1999 mit ihren Raedern in der Schweiz zu einer Weltumrundung gestartet. (Wir haben sie damals waehrend unserer "Testtour" in Italien kennengelernt.) Zusammen mit ihnen verbrachten wir einen lustigen, von Abenteuererzaehlungen geschwaengerten Morgen im Bahnhofbuffet von Bangkok's Hauptbahnhof. Allzugerne haetten wir mehr Zeit mit ihnen verbracht, doch unser Anschlusszug, der uns aus dem Moloch Bangkok nach Petchaburi an der Ostkueste Suedthailands bringen wuerde, heizte am fruehen Nachmittag bereits seine grossen Diesel-Motoren an.

Unser erster Streckenabschnitt im Sueden fuehrte uns der Ostkueste entlang bis Chumpon. Bereits in den ersten Tagen auf dem Rad war fuer uns klar: Hier fanden wir das Thailand, welches wir uns zum Radfahren vorgestellt hatten! Fast ausschliesslich auf ruhigen Nebenstrassen, zogen wir vorbei an menschenleeren weissen Sandstraenden, gesaeumt von Palmenhainen und Kautschukplantagen, tuerkisfarbenen Meer, kleinen Fischerdoerfern mit freundlichen Leuten und feinsten Seafoodrestaurants direkt am Strand. Das ist radfahren!

Diese sensationellen, teils unbefestigten Nebenstrassen haben wir nur dank dem aeusserst hilfreichen, fuer Individualreisende optimal geeigneten Reisefuehrer vom Stefan Loose Verlag "Thailand - Der Sueden" gefunden. In keiner der schlechten Strassenkarten fuer Thailand sind diese Nebenstrassen eingezeichnet. Dieser Reisefuehrer war auch der Grund dafuer, dass wir meist als einzige Touristen in wunderschoenen Beachresorts fuer die Einheimischen uebernachtet haben, weit weg von den touristischen Trampelpfaden und mit einer Gastfreundschaft, die selbst einen Koenig verbluefft haette!

Diese erholsamen Orte waren dann wohl auch Mitgrund, dass Thomy sich endlich von seinem kraenkeligen Dasein erholen konnte.

Ebenfalls sehr beeindruckt waren wir von den kaum besuchten und vom Tourismus weitgehend verschonten Nationalparks mit einzigartiger Flora und Fauna. Riesige farbenpraechtige Schmetterlinge, seltene Affen- und Vogelarten, weisse Delphine, wildwachsende Orchideen ... all dies entdeckten wir auf Streifzuegen durch diese noch fast unberuehrten Paradiese. Auch spirituelle Plaetze wie Hoehlentempel und heilige Banyantrees mit ihren farbigen Gebetsbaendern, hinterliessen bei uns einen tiefen Eindruck.

Waehrend der Fahrt nach Chumpon erlebten wir auch was es heisst, einen Tag im tropischen Regen zu radeln - der Himmel ist schwarz wie die Nacht, es stuermt, blitzt und donnert, es regnet wie aus Kuebeln, und zwar fuer Stunden. Die Nebenstrassen weichen sich auf, werden zu schlammigen Pisten und das Radfahren wird zum dreckigen Abenteuer!

Ebenfalls auf dieser Strecke haben wir dann auch Charlie kennengelernt. Mitten in einem abgelegenen kleinen Dorf hat er seinen Beitrag auf eigene Faust fuer den Thailand-Tourismus geleistet: Eine von ihm selbst gemalte riesige Tafel zeigt die Umgebung mit dem Titel "Tourist IMformation". Stolz erklaerte er uns die Tafel und liess uns dann in sein Gaestebuch unterschreiben - der letzte Eintrag stammte vom Herbst 2000 ... wohl auch zwei Radfahrer!

Rechtzeitig zu Thomy's Geburtstag trafen wir kurz vor Chumpon auf Bea und Martin aus der Schweiz. Fuer die aeusserst gelungene Geburtstagsueberraschung mit Kokosnuessen und Kerzen bedanken wir uns nochmals ganz herzlich!

Unser naechstes Ziel war die Insel Ko Tao. Wir fanden ein uns sicher erscheinendes Guesthouse, wo wir all unser ueberfluessiges Gepaeck inklusive Velos zuruecklassen konnten. Nun hiess es: Abtauchen auf Ko Tao! Die kleinste Nachbarinsel von Ko Samui erwies sich uns als Juwel! Nach einer vierstuendigen Fahrt mit dem "Express-Boot" welches sich als lahme Ente entpuppte, einer halbstuendigen abenteuerlichen Fahrt ueber eine wirklich harte Off-Road-Piste auf der Ladeflaeche eines voellig ueberfuellten Pickups, erreichten wir sie: Die Bucht der Traeume!

Mit "Extreme-Faulenzing", "Extreme-Snorkelling", "Extreme-Haengematte-Schaukeling" und "Extreme-Fein-Essing" verbrachten wir einige unvergessliche Tage auf dieser bildhuebschen Insel. (Waehrend genau diesen Tagen und Naechten ging in Luzern die Fasnacht ueber die Buehne ... wie ihr seht, musste Thomy sich einiges einfallen lassen, um Karin bei Laune zu halten, uff!)

Von der Insel kehrten wir gespannt auf das Festland zurueck mit dem Gedanken, dass wohl all unser Zeug verschwunden und das Guesthouse geschlossen und verkauft ist! Jedoch: Alles palletti!

Am naechsten Morgen fuhren wir weiter in Richtung Phuket. Wir durchquerten das huegelige und ueppig mit Dschungel bewachsene Landesinnere, um an die Westkueste zu gelangen. In dieser Gegend hinterliessen die unglaublich laut droehnenden, uns ueberholenden Lastwagen ausnahmsweise einen aeusserst angenehmen Duft, denn sie waren voll beladen mit reifen Ananas, welche hier zu tausenden wachsen.

Ranong. Westkueste. Da die Grenze zu Myanmar hier nur einen Katzensprung entfernt liegt, charterten wir ein Fischerboot inklusive Steuermann, schipperten fuer eine Weile ins fremde Land, kehrten zurueck nach Thailand und hatten somit erneut 30 Tage Aufenthaltsbewilligung fuer Thailand im Reisepass.

Wie auch in anderen Grenzgebieten zu Myanmar, kreuzen auf Ranong's Strassen viele brandneue, schwarze Mercedes und BMW's ... Opi(um) laesst gruessen!

Es zog uns weiter Richtung suedwaerts. Erstmals entdeckten wir Moscheen und zusehends loesen sie die buddhistischen Tempel ab. Mit den Moscheen aendert auch das Erscheinungsbild der Menschen: Verhuellte Frauen und Maedchen und dunklere Hautfarbe praegen in den kleinen Orten das Bild, und ab und zu vernehmen wir das Gebet des Muezins.

Weiter suedlich, im empfehlenswerten Gebiet um Kao Lak, wo man trotz Pauschaltourismus noch traumhafte Plaetze finden kann, verbrachten wir einige Tage bevor wir nach Phuket gelangten.

Nach einer Inselrundfahrt auf Phuket mit dem gemieteten Motorrad beschlossen wir einstimmig, diese vom Massentourismus total eingenommene, ueberlaufene und ueberteuerte Ferieninsel sofort wieder zu verlassen.

So, es wird nun eine Anmerkung zum Wetter faellig. Bereits seit einigen Tagen standen wir im Einfluss einer Schlechtwetter-Periode, welches sich darin aeusserte, dass es eigentlich jeden Nachmittag schiffte! Gut, es gab auch Ausnahmen: Am Tag, an dem wir Phuket verliessen, regnete es bereits am Morgen. Dies blieb denn auch so fuer die kommenden Tagen. Da sogar Ueberschwemmungen erwartet wurden, kam es soweit, dass wir in einer Stadt steckenblieben, in der es nichts zu sehen oder zu tun gab. Super!

Eines Tages wurde uns das Warten jedoch zu bunt und wir zogen trotz des Regens weiter nach Krabi. Dieser Tag sollte uns einiges abverlangen: Nebst Regen und einer langen Tagesetappe mit vielen Huegeln, hatten wir auch mit Thomy's Vorderreifen zu kaempfen, der sich ploetzlich mit einem 5 cm langen Riss schmueckte! Mit Kabelbindern provisorisch zusammengebastelt, konnten wir die Tagesetappe doch noch zu Ende fahren. Nun war es also soweit: Nach 11'000 km mit 5 bar Druck war der zweite Reifen reif fuer den Kompost-Haufen. Die restlichen Kilometer werden wir also mit einem 8 Fr.-teuren Reifen "made in Thailand" zuruecklegen; Schluck!

Seit einigen Tagen sind wir nun an einem schoenen Strand in der Naehe von Krabi und erholen uns von den letzten recht anspruchsvollen Fahrtagen. Die Gegend um Krabi ist von atemberaubender Schoenheit und ein Highlight unseres bisherigen Thailand-Besuches! Die skurrilen Kalksteinformationen, die auf dem Lande wie auch aus dem Wasser als hohe gruenbewachsene Tuerme in den Himmel ragen, stellen ein einzigartiges Landschaftsbild dar! Mit Longtailbooten und Kanus laesst sich die Umgebung bestens erkunden. Es gibt unzaehlige traumhafte Straende zu entdecken, Aussichtspunkte zu erkraxeln und fantastische Hoehlen zu bewundern! Ein paradiesischer Flecken auf Erden.

Tja, der Weg zur Grenze Malaysias ist nun nicht mehr weit und schon bald heisst es fuer uns "Goodbye Thailand".

Trotz aller Schoenheiten des Suedens von Thailand macht sich bei uns langsam eine Art "Reisemuedigkeit" bemerkbar. Mit Eindruecken, Erlebnissen und Gefuehlen von knapp einem Jahr intensiven Reisens fast ueberfuellt, faengt uns dies und jenes allmaehlich an zu stoeren: z.B. zu jeder Tages- und Nachtzeit verschwitzt und klebrig zu sein oder uns jeden Tag mit giftigem Insektenschutzmittel einzuschmieren und trotzdem verstochen zu werden - dies zupft so an diesem und jenem Nerv! Ausserdem sind unsere Koepfe voller Plaene und Ideen fuer unseren Neustart in der Schweiz, die darauf brennen, verwirklicht zu werden! Diese Tatsachen jedoch erleichtern uns den Gedanken an unsere Rueckkehr recht ordentlich ... und so soll es doch auch sein!

Wir werden nun die restliche uns noch verbleibende Zeit zum groessten Teil in Malaysia geniessen und uns von dort noch einmal melden.

Danke fuer euer Interesse und bis dann

Liebe Gruesse

Karin und Thomy


6.2.2001 BANGKOK - CHIANG MAI
ZENTRAL- / NORDTHAILAND


(Nachtrag zum Bericht vom 6.2.2001)

Nachdem wir ungefaehr eine Woche versucht hatten, uns an Bangkok zu gewoehnen, verliessen wir am 10. Januar unser Guesthouse nach einem ruhigen Kraftfruehstueck. Mit Sack und Pack versuchten wir uns einen sicheren Weg durch die tausenden von Bussen, Tuktuks, Autos und Motorraedern zu bahnen. Der Weg zum Hauptbahnhof betrug bloss 5 Km, doch waren wir recht geschafft, als wir endlich dort ankamen. Durchgeschwitzt und leicht gestresst nahmen wir die Tuecher vom Gesicht, welche wir als Atemschutz vor Mund und Nase gebunden hatten. Der Rest war dann easy: Ticket kaufen, Velotransport bezahlen und alles einladen. Die Wagen mit Sitzbaenken entlang der Wagonseiten eignen sich ideal fuer Reisen mit Velos! So hatten wir alles gut unter Kontrolle, Gepaeck und Velos im Blickfeld und warteten einigermassen relaxt auf die Abfahrt des Zuges. Der Zug verliess puenktlich die Station und los ging's! Mit jeder Minute entfernten wir uns weiter vom Ungetuem Bangkok und vom Smog. Vorbei an huebschen Vororten, vorbei aber auch an beelendenen Slums in Richtung Bananenplantagen, kleinen Doerfern und frischer Luft. Im Zug hielten Haendler lauthals ihre Ware feil, viele Ventilatoren sorgten fuer einigermassen angenehme Luft im Wagen, Einheimische vermischten sich mit Touristen, vis a vis schliefen zwei Soldaten mit verschwitzten Gesichtern in ihren engen Uniformen, ein kleiner Thai-Junge schaute interessiert mit seinem Grossvater aus dem Fenster und bewunderte die vorbeiziehende Landschaft und neben uns war eine Moenchin mit kahlrasiertem Kopf und Augenbrauen in Meditation versunken. Ab und zu klingelte das Handy zweier jungen, moderngekleideten Thai-Maennern und dies liess uns bewusst werden, dass wir immer noch im Jahre 2001 waren ...

Ayuthaya. Hektisch verlassen wir den Zug mit unseren 27 Sachen waehrend der Zugsvorstand schon ganz nervoes mit seinen Fahnen winkte. Wir bepackten unsere beiden Esel zum 258sten mal und machten uns auf Herbergssuche. Spaeter dann, wollten wir auf der hoelzernen Veranda unseres Guesthouses nur einen kuehlen Drink zu uns nehmen, doch ploetzlich sassen wir in einem Langboot, gesteuert von einer aelteren rundlichen Thai-Frau, und ab ging's zu einer Sightseeing-Tour auf dem Fluss, der die ganze Stadt Ayuthaya umgibt. Wow! Drei Stunden voller neuer Eindruecke! Barken, Langboote, Fischerboote, spielende Kinder im schmutzigen Wasser, Luxushotels, schoene Einfamilienhaeuser neben Slums, Wats (buddhistische Tempel), badende Moenche in ihrer orangefarbenen Bekleidung, gruenueberwucherte Ufer, Seerosen, springende Fische, ab und zu heftiger Gestank ... wir konnten 3 Wats besuchen und erhielten einen einmaligen Eindruck Ayuthayas, Thailand's alter Hauptstadt, welche von den Burmesen Ende 17. Jahrhunderts zum zweiten mal total zerstoert wurde. Ruinen, unendliche Ruinen, zeugen von vergangenem Reichtum und Schoenheit dieser Stadt. Wir bewundern den Sonnenuntergang bei einem noch recht gut erhaltenen Wat: Ein atemberaubendes Schauspiel bietet sich uns dort, als die Nacht den Tag abloest. Wir sind verzaubert und ueberwaeltigt! Die Fahrt zurueck zum Guesthouse findet mit einer winzigen Beleuchtung am Boot und einem riesigen oranggluehenden Vollmond statt! Traum oder Wirklichkeit?

Am naechsten Tag radelten wir gemuetlich durch die Ruinen der alten Hauptstadt. Und obwohl wir in den letzten Tagen kaum radgefahren sind, waren wir bereits nach dem Mittagessen voellig platt. Zuviele Eindruecke prasselten hier auf uns nieder - too much input for our memory! So verbrachten wir den Rest des Tages auf unserer Veranda und "verdauten" das Erlebte bei zwei grossen Singha-Beers ...

Tags darauf verliessen wir vollbepackt die alte Koenigsstadt. Nachdem wir den Verkehr Ayuthayas hinter uns gelassen hatten, sammelten wir unsere ersten echten Fahrraderfahrungen auf den Landstrassen Thailands. Entgegen allen vorausgegangenen Warnungen anderer Travellers (Nicht-Velofahrer ...), empfanden wir den Strassenverkehr als durchaus vernuenftig und "easy to handle". Die Fahrer hupen freudlich, verlangsamen ihre Fahrt, lachen uns zu, winken und rufen: "Halllooo! Vely good ...! Where you are flom?" Die Kinder winken uns zu, staunen und quietschen vor Entzuecken. (Natuerlich auch die Frauen, wenn sie Thomy sehen :-) Thailand!

Die Landschaft bietet uns hier im Zentralland noch wenig, ausser ein paar sattgruenen Reisfeldern, Bananenplantagen und kleinen, sehr einfachen Huettendoerfern, wo die Zeit stehengeblieben ist.

Das laendliche, noch unberuehrte Thailand eignet sich auf der einen Seite hervorragend fuer Radreisende. Dafuer tauchen ploetzlich neue Probleme auf: Sprachprobleme! Obwohl bewaffnet mit Thai-Woerterbuch, Menue-Uebersetzungen sowie Menue-Decoder, standen wir so ziemlich auf dem Schlauch als es jeweils hiess: Essen bestellen. Kaum jemand spricht englisch und sehr viele laendliche Thais sind "Analphabeten". (Wie schreibt man das eigentlich ...?) Auch wenn unsere verkrampfte Bestellung auf Thai stets mit einem freundlichen Laecheln quittiert wurde, kam es erstens anders und zweitens als wir uns wuenschten! Da uns aber der Velohunger plagte, assen wir alles was uns praesentiert wurde, auch wenn uns das Unwissen der Zusammensetzung unserer Mahlzeit manchmal eine Gaensehaut verpasste! Allerdings: Das Essen war stets sehr gut und wir lernten so die laendliche Thaikueche wohl viel besser kennen als so manch anderer Tourist!

Die Provinzstaedte auf unserem Weg sind chaotisch und nichts vom Reiseprospekt-Thailand spiegelt sich hier wieder. Schlechte Luft, abgeschossenes Image, wanzige Hotels, die sich abends ganz offiziell in Bordells verwandeln. Die Beleuchtung aendert die Farbe und Intensitaet und die Geraeuschkulisse bis in die fruehen Morgenstunden wiederspiegelt geschaeftiges "Treiben" ... und einmal mehr: Ohropax wirkt Wunder! Wir treffen sie in jeder Provinzstadt, wo kein Tourismus vorhanden ist, wir jedoch uebernachten muessen: Die beiden fuehrenden Hotelketten "Zur goldenen Kakerlake" und "Zum froehlichen Puff"!

Die unzaehligen neuen Eindruecke, die unentspannten Naechte und die koerperliche Anstrengung des Radelns bei feuchtheissen Temperaturen liessen uns etwas ermatten und uns auch ab und zu wieder in den Zug steigen.

Auf unserem weiteren Weg nordwaerts besuchten wir die einstigen Koenigsstaedt Sukothai und Si Satchanalai, von deren vergangenem Glanz heute nur noch riesige Ruinenfelder zeugen. Weitere Highlights waren fuer uns die unzaehligen prachtvollen Tempel mit den dazugehoerenden Buddha-Statuen, die Ausfuehrung der traditionellen Handwerkskuenste wie z.B. die alten Frauen an den nochaelteren Webstuehlen, welche die fuer Nordthailand typischen bunten Stoffen weben, die Reisbauern bei ihrer schweisstreibenden Arbeit, die froehlichen bildhuebschen Kinder, der eindrueckliche Besuch eines Trainings-Camps fuer Arbeitselephanten sowie des Elephant-Hospital Thailands. Ausserdem wurde die Landschaft zusehends ueppiger und bergiger je weiter nordwaerts, in Richtung Chiang Mai, wir gelangten.

Nach ungefaehr 3 fuer uns intensiven Wochen, erreichten wir Chiang Mai, die noerdliche Metropole Thailands und sogleich unser Ziel. Der abrupte Uebergang vom ruhigen Landleben zum vermarkteten Touristenzentrum Chiang Mai holte uns ins bekannte Reise-Thailand zurueck. Hier herrscht der unerbittliche Kampf um den Trekking-Touristen! Hunderte von Trekking-Anbietern konkurrenzieren einander mit "Noch-guenstigeren-Angeboten". Bambusfloss-Rafting, Elefanten-Ritt, Jeep-Adventure durch Junglegebiete sowie das "Begaffen" der Einwohner verschiedener Bergdoerfer, der sogenannten "Hilltribes", stehen bei den meisten Touristen hoch im Kurs.

Unsere Philosophie des "sanften Reisens" hielt uns klar von der Teilnahme eines solchen Trekkings ab, ausserdem bescherte uns ein Schluck faules Wasser ein privates Abenteuer der ganz besonderen Art:

Kaum hier angekommen, ging's los! Durchfall, Kopfschmerzen, Bauchkraempfe, hohes Fieber und Schuettelfrost bei Thomy, anschliessend notfallmaessige Spitaleinlieferung, 3 Tage Einzelzimmer-Aufenthalt mit huebschen Krankenschwestern, Antibiotika fuer beide, Rueckfall bei Thomy, zurueck ins Spital (wohl wegen den Schwestern ?!), erneute Antibiotika-Kur ... alles in allem dauerte dieses Abenteuer satte 10 Tage!

Unterdessen geht es uns aber wieder recht gut und wir waren auch nicht ganz untaetig: Wir mieteten uns ein bequemes Auto und fuhren kurzerhand mehr als 500 km ueber Thailands Landstrassen. Eine Erfahrung der speziellen Art! Freestyle-Driving - Regeln existieren zwar, aber nur in irgendwelchen Theoriebuechern! Grund dieses Trips war die Verlaengerung unseres Thailand-Visums. Dazu mussten wir irgendwo aus dem Lande ausreisen und wiedereinreisen. Wir waehlten uns den Grenzuebergang zu Myanmar / Burma am noerdlichsten Punkt Thailands aus. Die Burmesen auf der anderen Seite der Bruecke waren dann auch ganz nett und nach einer halben Stunde Burma-Aufenthalt verpasste uns die Thai-Immigration den neuen ersehnten Stempel. So einfach geht das ...!

Wir duerfen also noch bleiben und kommen deshalb noch nicht gleich nach hause! Morgen fahren wir mit dem Nachtzug zurueck nach Bangkok, um von dort unsere letzte Etappe durch den Sueden Thailands, Malaysia und schlussendlich nach Singapore in Angriff zu nehmen.

Im Sueden erwarten uns weisse Straende, Palmen, romantische Bungalows ... vielleicht melden wir uns mal wieder.

Bis dann

Karin und Thomy

7. 2. 2001 Chiang Mai

Nachtrag:

Ist uns doch tatsaechlich etwas wichtiges durch "die Latten" gegangen.

Fuer alle Technikinteressierten: Wir haben zum ersten Mal waehrend unserer Reise einen Reifen ersetzen muessen. Man glaubt es kaum! Unsere Schwalbe Marathon-Reifen XR sind nahezu unverwuestlich. Sie haben alles gemeistert. Gluehend heisser Asphalt,Sandpisten, Waschbrettpisten, Single-Trails mit grossen Steinen und Wurzeln und, und, und.... fuer zehntausend Kilometer und mit bis zu 40 Kg Gepaeck! Nun hat sich doch der erste Hinterreifen verabschiedet!

Aber: Nicht weil er verbraucht war! Nein, eine Glasscherbe richtete ihn so uebel her, dass wir uns entschieden, ihn besser zu ersetzen. Gut, er war etwas sproede von der ewigen Belastung, aber der Reifen waere sonst noch absolut brauchbar gewesen! Natuerlich hatten wir in diesem Moment auch einen "Platten". Ansonsten waren da ueberhaupt keine technischen Schwierigkeiten seit ewiger Zeit! Touchwood!

Statistik:
Platte Reifen insgesamt 6
ersetzte Speichen 2
ersetzte Reifen 1
ers. Bremsbelaege 4
ers. Ketten 2
gebrochene Herzen 0 (immer noch !!)
Durchfaelle diverse !
usw....

O.k. das waer' nun endgueltig fuer dieses Mal!


4.1.2001 MELBOURNE - BANGKOK

( Nur ein kurzer Flug - aber fuer uns ein Sprung in eine andere Welt!)


Fruehmorgens, 4. Januar 2001. Nach einer fantastischen Woche mit unseren Freunden in den Australischen Alpen, machten wir uns auf den Weg zum Melbourne International Airport. In unseren Gedanken noch immer beim Sonnenuntergang auf einer Bergspitze, auf einem schnellen Singletrail oder in der excellenten Bright-Ice Creamery mit 38 Flavours ..., verging die Fahrt ueber den Highway im Van unserer Freunde sehr schnell und es hiess Abschied nehmen von Australien - nach fuenf unvergesslichen Monaten.

Auf den Rat verschiedener anderer Radreisenden hin, entschlossen wir uns, diesmal unsere beiden Bikes unverpackt fuer den Flug nach Bangkok aufzugeben. Motiviert und guten Mutes am Qantas-Schalter angekommen, wollte die ziemlich blonde und amateurmodelmaessig geschminkte Dame natuerlich nichts von "without Box" wissen. Nach hartnaeckigen Ueberzeugungsversuchen unsererseits willigte sie schliesslich grantig und mit einigen Schweisstropfen auf ihrer gepuderten Stirn ein. Allerdings mussten wir unterschreiben, dass Qantas Airlines im Schadenfalle jegliche Haftung ablehnt. Somit fiel die zeitaufwendige und muehselige Zerlegerei und Verpackerei der Velos diesmal weg.

Nach einem reiblungslosen neunstuendigen Flug erreichten wir Thailands Hauptstadt Bangkok. Einige Formulare waren noch auszufuellen bevor wir mit einem Laecheln den Zoll und die Einreisebehoerden passieren konnten. Freude herrschte, als wir neben dem Gepaeckrollband unsere beiden Lastesel erblickten - unversehrt!

Da es bereits Mitternacht war, versuchten wir, moeglichst schnell einen Transport in ein Airporthotel zu organisieren. Und: Da waren sie bereits wieder - die Herausforderungen fuer Reisende, welche zwei Velos im Handgepaeck rumtragen! Wiederum mussten wir all unsere Ueberzeugungskraft einsetzen, bis letztendlich unsere zwei Velos auf den Ledersitzen eines edlen Hotelbusses transportiert wurden ...

2.00 Uhr morgens, Good Night in Bangkok.

Um am naechsten Morgen vom Airporthotel in das von unseren Hollaendischen Freunden empfohlene Quartier Bangkoks zu gelangen, fehlten uns zwei wichtige Dinge: Eine gute Strassenkarte und der Mut! Grund: Der Verkehr auf Bangkoks Strassen ist fuer Asien-Neulinge wie wir es sind ein bisschen "too much" fuer den ersten Tag. Blaurauchende Tuk-Tuk's und tausende von halsbrecherisch fahrenden Motorraedern zwaengen sich durch die von Bussen und Autos verstopften Strassen. Auch die durch den Smog stark vernebelte Luft laedt nicht gerade zu einer Spritztour ein. Nicht umsonst tragen die meisten Tuk-Tuk -und Motorradfahrer einen Atemfilter. Ihr koennt euch vorstellen, was es gebraucht hat, bis der Fahrer des Hotelbusses soweit war, uns mit seinem noblen Bus in die Stadt zu bringen ...

Bereits waehrend dieser hektischen Fahrt durch den Verkehrsdschungel wurde uns klar, dass wir uns ab sofort in einer fuer uns fremdartigen und neuen Welt befanden. An einer lebhaften, mit ess- und kleiderstaendengesaeumten Strasse, setzte uns der Bussfahrer "auf freien Fuss". Er laechelte uns ein letztes mal freundlich (mitleidig?) zu und verschwand in den Fluten des Verkehrs.

Leider war das Guesthouse, vor welchem er uns abgesetzt hat, bereits ausgebucht. Sehr zu unserem Bedauern ... Dies bedeutete fuer uns: Velos fahrtauglich machen, Reifen pumpen, Packtaschen anhaengen und mit der Suche nach einem "Hueuesli" fuer die Nacht beginnen (und dies alles bei fast 40 feuchtheissen Grad)!

Bei den ersten paar besichtigten Zimmern kam Thomy jeweils leicht blass, kopfschuettelnd und mit verstoertem Blick zurueck. Eine weitere fuer uns neue Erfahrung: "No thank you" muss bei der Unterkunftssuche wohl ab sofort in unseren Wortschatz eingebaut werden. In einer kleinen Nebengasse, wo Thai-Familien leben, kochen, lachen und wo maximal ein Motorrad oder ein beladenes Reisevelo durchpasst, fanden wir schliesslich ein kleines Guesthouse, wo wir uns auf Anhieb wohlfuehlten. Auf dem schmalen Weg dorthin, wurden unsere Riechnerven fremdartigsten Geruechen ausgesetzt. Eine alte weisshaarige Thailaenderin, welche wir Grandma nennen duerfen, empfing uns freundlich in unserer Unterkunft. Sie entlarvte uns sofort als blutige Anfaenger im Land des Laechelns und gab uns viele nuetzliche Tips zu guten und schlechten Sitten der touristischen Gegenden. Dankbar nahmen wir ihre Hilfe an, schlossen unsere Velos im sicheren Innenhof des Guesthouses ab und machten uns auf Entdeckungstour der wohl unerschoepflichen Eindruecke Bangkoks.

Nun sitzen wir bei Tee auf der hoelzernen Veranda eines gemuetlichen Restaurants und warten auf das bestellte feine Nudelgericht. Unterdessen fuehlen wir uns schon richtig wohl, haben unbeschreiblich schoene Tempel bewundert, farbige Maerkte besucht, diverse Spezialitaeten der Essstaende probiert (z.B. ein wunderbarduftendes Suessgebaeck mit Schweineborstenfuellung!) und unsere unpassenden Velotrikots fuer ca. Fr. 1.50 auf dem Markt verkauft!

Morgen werden wir den Weg zum Hauptbahnhof suchen und die riesige Stadt mit dem Zug in Richtung Norden verlassen. Industrie, Kommerz, Chaos und Ungleichheit haben wir in Bangkok in hoechst konzentrierter Form erlebt - nun freuen wir uns auf den laendlichen Teil "Ur-Thailands", den Norden. Wir halten euch auf dem laufenden ...

Sawat-dii
Karin und Thomy


12.12.2000 Mount Gambier

KALBARRI - PERTH


Hier wieder mal ein Lebenszeichen vom andern Ende der Welt, wo es immer mehr Sommer wird ...! Seit dem letzten Zwischenbericht ist wieder einiges geschehen und wir haben viel erlebt - aber am besten lest ihr hier selber nach, dann habt ihr was zu tun ueber die Festtage ....:

Am 19. Oktober um 5.00 Uhr hiess es fuer uns einmal Tagwache in Kalbarri. Nach einigen gemuetlichen und velofreien Tagen in dieser schoenen Umgebung voll mit bunten Wildflowers und einem interessanten Nationalpark, machten wir uns wieder auf unseren Weg nach Perth, unserem naechsten grossen Ziel. Vorbei an pinkfarbenen Salzseen und kleinen verschlafenen Fischerdoerfchen bewegen wir uns fast alleine auf den zum Teil brandneuen Strassen. Da der Tourismus an der Australischen Westkueste erst langsam aber sicher angekurbelt wird, entdecken wir viele neue Verbindungsstrassen, welche gar nicht oder nur als Forststrassen auf den Strassenkarten eingezeichnet sind, und welche uns das Leben sehr erleichtern.

Nach einigen Fahrtagen durch den Bush, erreichen wir dann Geraldton, das Tor "zurueck zur Zivilisation". Nach ungefaehr 3 Monaten Fahrt durch das Outback, leuchtet uns nun das grosse gelbe geschwungene "Mc Donalds-M" von weitem entgegen: Ein unmissverstaendliches Zeichen, zurueck in der Zivilisation zu sein! Das als Stadt recht unspektakulaere Geraldton, ist die Hochburg der millionenschweren Lobster-Industrie Australiens. Jene Lobster, welche wir damals auf dem Pearl-Lugger "Willie" jeweils selber zum Wasser rausfischten und am Abend auf dem BBQ wendeten ... Was uns in Geraldton ausserordentlich gefreut hat: Wir trafen unsere hollaendischen Radlerfreunde Johan & Marijke wieder, welche wir seit Broome (Anhaenger-Verkauf) nicht mehr gesehen hatten. Auch ihre Reise in den Sueden war gluecklich und ohne Zwischenfaelle verlaufen. Natuerlich mussten wir dieses Wiedersehen mit "Chateau Karton" und lokalem Australischem Bier begiessen! Geraldton ist ausserdem weltbekannt als Windsurf-Mekka. Zahlreiche Profis trainieren dort taeglich. Natuerlich stimmte uns Radler dies etwas nachdenklich ... und unsere Sorgen sollten nicht umsonst gewesen sein, wie sich spaeter herausstellte: Auf unserer Weiterfahrt hatten wir mit dem staerksten Gegenwind seit dem "Schweizer Weihnachtssturm Lothar" zu kaempfen! Es war wirklich zum ... ein Auto kaufen, Bus besteigen, Flugzeug chartern oder was auch immer! Doch wir hielten durch! Obwohl wir teilweise nur noch gerade 8 Kilometer pro Stunde zuruecklegen konnten - in den kleinsten Gaengen, versteht sich ....! Und um das stetige ohrenbetaeubende Rauschen des Gegenwindes zu bekaempfen, blieb uns nichts anderes uebrig, als unsere knallorangen Gehoerschutzpfropfen einzusetzen! Und dieser Trick hat funktioniert - alles laeuft via Nerven!

Ueber die wiederum neuen und perfekten Strassenabschnitte erreichten wir Cervantes und somit die Pinnacles Desert. Diese einzigartige Wuestenlandschaft mit ihren bizarren Sandsteintuermen, welche ueber Jahrtausende durch Wind, Wasser und Wetter geformt wurden, ist schlicht atemberaubend! Am fruehen naechsten Morgen machten wir uns im Dunkeln auf den Weg, um dieses Weltwunder bei Sonnenaufgang bestaunen zu koennen. Und wie sich das Aufstehen gelohnt hat! Ein einmaliges Erlebnis und fuer uns ein spezielles Vergnuegen, mit unseren treuen Aarios-Velo's im Schattenspiel des fruehen Morgenlichts durch diese sandige Wuestenlandschaft radlen zu koennen!

Von dort war es dann nur noch ein "Katzensprung" nach Perth. Unterwegs trafen wir noch auf ca. 30 Millionen Fliegen, welche natuerlich alle auf unseren Gesichtern und unseren Ruecken absitzen und mitfahren wollten. Hunderte von kleinen schwarzen Punkten (Fliegendung!) auf unseren weissen Helmen bestaetigten uns die Anwesenheit der nervigen Schwarzfahrer!

Ein leichter Kulturschock widerfuhr uns dann, als wir durch das liebliche, idyllische Swan Valley, ein Vorort von Perth, fuhren mit all den teuren Deutschen Autos, sattgruenen kurzgeschnittenen Rasen mit den dazugehoerenden Villen. Von unserem etwas ausserhalb liegenden Campingplatz, fuhren wir noch am selben Tag mit dem Zug in die pulsierende Metropole Perth. Die Tueren des Zuges oeffneten sich, und wir fanden uns in einer anderen Welt wieder: Teuergekleidete gutfrisierte Menschen mit Aktenkoffer, Handtaeschchen und Handy's praegten das Bild. Doch gaenzlich den Rest gab uns der langvermisste, sehrlaute Sound aus den Lautsprechern eines Mega-Music-Stores! Mit weitaufgerissenen Augen und wohl etwas bleich standen wir da, und all die geschaeftig vorbeiziehenden Leute dachten wohl: Landeier! (oder auf English: Countryeggs!) Wir fluechteten uns in das naechste Cafe, um all den Eindruecken bei einem entspannenden Cappucchino Herr und Meister zu werden. Am selben Abend noch feierten wir unsere Ankunft in Perth gehoerig!

Am folgenden Tag erreichten dann auch die beiden Hollaender Perth und in den naechsten Tagen erkundeten wir zusammen diese schoene und interessante Stadt. Leider hatte die erste Grossstadt seit Vancouver auch einen negativen Touch fuer uns, da uns verschiedenes Material von den parkierten Raedern geklaut wurde (z.B. Thomy's "ueber-Jahre-heissgeliebtes-Multi-Tool"!) ... tja, welcome back in reality!

Dann verlegten wir unser Nachtlager in das angrenzende Fremantle, mit seinem wichtigen Industriehafen. Bekannt fuer den "Cappucchino-Strip" und die historischen Gebaeude, genossen wir einige Tage diesen freundlichen Ort, bevor wir dann den Rest unserer Strecke an der Westkueste in Angriff nahmen.

Es ergibt wenig Sinn, zuviele Details ueber den suedwestlichen Zipfel von Australien zu erwaehnen ... zu lange wuerde dies hier an dieser Stelle dauern, denn er bietet unglaublich viel! Menschenleere tuerkisfarbene Buchten, weisse Sandstraende, "the perfect surf", riesige Waelder, zahlreiche Weingueter, einzigartige Tropfsteinhoehlen und eine unbeschreibliche Tierwelt - um nur einige Highlight's dieser Region zu erwaehnen.

Ein kleines Beispiel: In einer kleinen Bucht, kaum bekannt und im Reisefuehrer nicht mal erwaehnt, kommen grosse Stachelrochen an den Strand, um die lustigen imwasserstehenden Menschen zu besuchen. Sie schauen dich an und stuepfen sogar mit ihrem Kopf an dein Bein! Einmalig!

Der South-West-Corner also, ist fuer jedermann eine Reise wert - vollgepackt mit Sehenswertem und Natur Pur. Und dies alles auf kleinem Raum - fuer Australien nicht selbstverstaendlich!

Am 20.11. erreichten wir dann mit unseren vollbepackten Velos den suedwestlichsten Punkt Australiens, das Cape Leeuwin. Wir lehnen unsere beiden Packesel an den hundertjaehrigen Leuchtturm und wissen: Wir haben es geschafft! Die Westkueste Australiens beradelt! Diese Stelle, wo sich der Indische Ozean und der Suedliche Ozean vereinigen, wird uns wohl fuer immer in Erinnerung bleiben!

Einen grossen Teil der Strecke zurueck nach Perth, fuehrte uns ueber Dirt-Tracks, Sandpisten, Wanderwege und Forststrassen. Mit all unserem Gepaeck an den Velos war dies ein ausserordentliches Abenteuer fuer uns ... haben wir doch den Schweizer Mountainbike-Sommer "verpasst"! Und zum ersten mal konnten wir sogar unser GPS einsetzen, da wir im unendlichen Maerchenwald "ekstrem" die Orientierung verloren haben. Nach 2 Stunden Schieben durch Sandloecher, Dornen und das Unterholz, fahren ueber Steine und Absaetze und nach zaertlichem Fluchen von Karin, fanden wir dann doch zurueck auf eine beschilderte Forststrasse. Der restliche Weg zurueck nach Perth verlief ohne weitere groessere Zwischenfaelle, ausser dass wir fast bei lebendigem Leibe von Sandflies gefressen worden sind (je etwa 100 Bisse auf Ruecken und Kopfhaut!), Karin beim bislen im Bush auf eine Schlange getreten ist, und wir waehrend der Fahrt von uebermuetigen Schulabgaengern mit rohen Eiern und leeren Petflaschen beworfen worden sind ...

Sicher und heil zurueck in Perth, bereiteten wir uns und unsere Raeder auf die Weiterreise nach Adelaide vor und verabschiedeten uns nun definitiv von "unseren beiden Hollaendern", welche nach New Zealand weiterzogen.

PERTH - MELBOURNE

Mit dem legendaeren "Indian Pacific Train" durchquerten wir im bequemen Sessel die Nullarbor Wueste. Die fast 50-stuendige Zugfahrt fuehrte uns durch diese unendliche Ebene von Perth nach Adelaide. Wir waren heilfroh, dass wir uns fuer diese Zugfahrt entschieden haben, und genossen den Speisewagen, die Bar und die Dusche an Bord!

In Adelaide wurden wir freundlich von Tony und Margerete in Empfang genommen. Diese netten Leute lernten wir im "hohen Norden" in einem typischen Australischen Pub kennen. Wir haben dort uebernachtet -sie haben dort aufgetankt. Ein kurzes Gespraech, eine Einladung und daraus folgten vier wunderschoene Tag in Adelaide - gepraegt von grosszuegiger Gastfreundschaft und Herzlichkeit!

Nach einer "gefuehrten Tour" durch unsere Gastgeber ins Barossa Valley und dessen Weingueter sowie einem Aelplermagronen-Schmaus (gekocht von Thomy), verliessen wir Adelaide, um unseren letzten Abschnitt nach Melbourne unter die Raeder zu nehmen.

Tony's vaeterliche Fuersorge trieb ihn sogar soweit, uns mit Sack und Pack in seinem grossen Jeep aus der Stadt und somit weg vom Verkehr zu fahren.

Zwar ohne Verkehr, damit wiederum mit Gegenwind und 3 (!) platten Reifen am ersten Fahrtag, starteten wir mit eher maessigem Enthusiasmus.

Mit freundlicher gestimmtem Wind, prallgepumpten Reifen und gutem Wetter sind wir nun auf den letzten paar hundert Kilometern vor Melbourne. Vor uns liegt noch die wunderschoene Great Ocean Road, bevor wir dann an Weihnachten in Melbourne ankommen werden. Wir freuen uns sehr auf diese Strecke bis Melbourne, sowie auf unsere Verabredung mit Jeanette (Netti) und Anthony, mit denen wir gemuetliche Weihnachten verbringen werden.

Nach Weihnachten dann werden wir mit ihnen und ein paar Freunden fuer 1 Woche in die Australischen Berge fahren. Was wir dort tun?? ... Mountain-Biken!! (Ja, ja, wir wissen, was ihr nun denkt ... zuviel australische Sonne ...!)

So, das waer's aus Australien! Die letzten fuenf Monate in diesem speziellen Land waren fuer uns ein absolut unvergessliches Abenteuer! Wild, rauh, manchmal auch hart, atemberaubend, einzigartig, freundlich, wunderschoen ... Schule fuer's Leben!

An dieser Stelle wuenschen wir euch allen frohlockende Festtage mit "bellenden Jingeln" und "jingelnden Bellen"! Auch fuer das kommende Jahr nur das Allerbeste! See ya then!

Fuer alle Statistikliebhaber:

  • Gefahrene Kilometer: 8500
  • Erklommene Hoehenmeter: fast 40'000
  • Platte Reifen (insgesammt): 5
  • Sandflies- und Moskitoes Bites: ca. 200 pro Person
  • Defekte Radtaschen: 4 !

Kalbarri, 17. Oktober 2000

Hallo Freunde deren mit Hornhaut am "Fuedli"


Im letzten Bericht haben wir ja bereits angedeutet, dass wir unsere Strampelei fuer eine Weile unterbrechen werden und unsere Reise auf eine ganz andere Art und Weise fortsetzen werden. Hier nun also des Raetsels Loesung:

Wir haben in Broome den Kapitaen eines Perlentaucher-Schiffes kennengelernt, welches waehrend den Monaten Mai bis September, Whale-Whatching-Cruises in Broomes Umgebung macht. Um das Schiff vor den Cyclonen zu schuetzen, segeln sie jeweils Ende September in den Sueden nach Perth. Nun erhielten wir die einmalige Gelegenheit, mit diesem Schiff mitzusegeln! Wir "buchten" die Reise bis Coral Bay, um von dort weiter per Bike zu reisen. Man stelle sich das einmal vor!

Am 18. September ging's denn endlich los, nachdem wir ueber zwei Wochen in Broome warten "mussten". Wir wurden auf dem Campingplatz von Dave, dem Skipper abgeholt. Unsere Bikes konnten wir im Bus, welcher zum Schiff gehoert und ebenfalls in den Sueden fuhr, verstauen. Mit dem Schlauchboot fuhren wir ueber das tuerkisfarbene Meer raus zu "Willie", unserem Heim fuer die folgenden 9 Tage. Wir teilten das grosse Schiff, ein Zweimaster im Look eines Piratenschiffes, lediglich mit einem anderen Paar aus England und drei Crew-Mitgliedern. Die Boys machten das Schiff startklar, waehrend Stacy, die Koechin, das erste Dinner an Board bereitete

Wir bestaunten den ersten Sonnenuntergang vom Schiff aus, als wir die Bucht von Broome verliessen. Fuer Thomy ging damit ein langersehnter "Bubentraum" in Erfuellung, einmal auf hoher See segeln! Karin hat sich das bis dahin eher nicht traeumen lassen!

Die erste Nacht und den naechsten Tag fuhren wir mit Motor durch, welches nicht ganz ohne Probleme ablief:

Am ersten Tag verabschiedete sich der Autopilot. So wurden wir gefragt, ob wir denn auch Wache uebernehmen moechten. Wir willigten natuerlich sofort ein. So verbrachten wir denn waehrend der ersten Nacht einige Stunden auf Deck unter sternenklarem Himmel und steuerten das Boot. Geleitet von Sternen und Radar. Dies war eine sensationelle Erfahrung. Sehr frueh am Morgen kam im Daemmerlicht eine ca. 40 Zentimeter hohe Rueckenflosse direkt auf unsere Boot zu. Wir erkannten deutlich einen wirklich grossen Hai! Er tauchte unter dem Boot durch und verschwand im Dunkeln. Es sollte nicht der letzte gewesen sein! Ebenfalls sahen wir spaeter fast taeglich Humpback-Whales, Delphine, Turtles, Seeschlangen und diverse Rochen. Am zweiten Tag baute der Skipper den defekten Autopiloten aus. Thomy fragte, ob er etwas helfen koenne. Dave zeigte ihm das Teil und Thomy zog sich damit in eine ruhige Ecke zurueck. Nach einer Weile und einigen Loetarbeiten mit einem viel zu grossen und zu starken Loetkolben arbeitete der Autopilot wieder einwandfrei. Der Skipper nannte Thomy einen "Bloody Mechanics", schuettelte ihm die Hand fuer eine ganze Weile und freute sich riesig. Thomys Erfolg wurde dann auch gleich mit einem kuehlen Bierchen begossen! So fielen "leider" unsere Nachtwachen weg. Am naechsten Tag verabschiedte sich dann auch noch der Alternator des Stromgenerators, da der Matrose eine Batterie des Schlauchbootes verkehrt rum anschloss! Nach ca. 2 Stunden Zerlegungsarbeit gab Thomy denn allerdings auf, da einfach zu viele Teile verbrannt waren. Soviel zum Thema "Pannen an Board".

Wir verbrachten viel Zeit beim Schnorcheln. Der Skipper, selber ein erfahrener Taucher, fuehrte uns an die schoensten Plaetze der Monti Bello Islands (dort haben die Briten 1952 drei Atombomben gezuendet), Long Island, Muiron Islands und schliesslich des Ningaloo Reefs. Es war unglaublich! Die Inseln und Plaetze welche wir anliefen, waren absolut unberuehrt und menschenleer. Da war niemand und nichts, ausser den Pflanzen und Tieren die dort hingehoeren, und uns! Wir tauchten mit Turtles, Sting Rays, unzaehligen tropischen Fischen in allen Groessen und Farben, Korallen und mehreren Haien. Der groesste Hai war ca. 2,5 Meter lang und nur etwa einen Meter von uns entfernt. Es stellte sich blitzschnell ein mulmiges Gefuehl in der Magengrube ein. Die Haie hatten aber bereits gegessen und liessen uns in Ruhe. Ebenfalls tauchten wir nach Crayfish (Lobster), welche dann jeweils frisch aus dem Meer auf dem BBQ endeten, etwas brutal aber fein. Ebenfalls fischten wir fast taeglich und fingen unter anderem einen ueber 10 Kilo schweren Yellow-Fin-Tuna, welcher eine absolute Delikatesse darstellt. Ausserdem hatten wir spanische Makrele, Blue Fin Tuna usw. an unserer Angel. Stacy unsere Koechin hat jeweils die besten Meals daraus zaubert! Wie ihr seht, lebten wir wie die Koenige auf unserer "Verlobungsreise" (...nun wisst ihr es...). Allerdings hatten wir zwei Tage sehr rauhe See, sodass man es unter Deck nicht mehr aushielt. Wir verbrachten den ganzen Tag auf Deck, wurden von den Wellen vollgespritzt und fuetterten auch mal die Fische... Ebenfalls wegen den wirklich extremen Wellen muessen wir in Perth eine neue Brille fuer Karin besorgen. Die "alte" ging ueber Board, d.h. sie wurde von einer Welle erfasst und weggespuehlt! Tja, das kann halt passieren mit uns "Suesswasserseglern". Falls ihr einmal auf dem indischen Ozean unterwegs seid und ein Delphin mit einer sibernen Brille auftauchen sollte, nehmt ihm diese weg! Es koennte die von Karin sein! Soviel also zu unserem Boots-Trip.

Als wir dann in Coral Bay einliefen, war es richtig ungewohnt, wieder "fremde" Leute zu sehen. Die ganzen 9 Tage war keine Menschenseele weit und breit! In Coral Bay warteten auch schon unsere Bikes auf uns. Wir verbrachten noch einige Tage im schoenen Ort und ruesteten uns aus fuer die Weiterfahrt.

Nun sind wir bereits wieder seit laengerem auf der Strasse. Der Weg ab Coral Bay hat uns einiges abverlangt, da der Wind in den letzten drei Wochen ungewoehnlich stark war. Natuerlich kam er aus Sueden, was fuer und Gegenwind bedeutete! Ebenfalls waren nochmals ziemlich lange Strecken zu bewaeltigen (bis 140 Km pro Tag), davon teilweise ueber hundert Kilometer ohne eine Kurve!

Wir konnten die Fahrt jedoch recht gut unterteilen, indem wir auch die Shark Bay Region bereisten, obwohl wir fast nichts Gutes darueber gehoert haben! "Zu touristisch, zu teuer, zu ueberlaufen", um nur einige Vorurteile zu nennen. Dort ist die Halbinsel mit dem weltbekannten Delphin Resort Money Mia, wo fast taeglich wilde Delphine zum Strand kommen, um sich "mit Menschen zu treffen" (oder ein Fischchen abzuholen). Wir haben sehr viel Glueck gehabt, da ausser uns fast keine Leute da gewesen sind. Laut Aussagen von anderen Besuchern, wollen an gewissen Tagen bis 500 Leute die Delphine anschauen, was dann wirklich nur noch ein komerzielles Chaos ist! Bei uns waren da lediglich etwa 20 Leute, und das Wetter spielte praechtig mit! Ebenfalls ist das kleine Fischerstaedtchen Denham erwaehnenswert, welches die westlichste Stadt Australiens darstellt.

Fuer uns war die Halbinsel eine wunderbare Abwechslung, da sich uns praechtige Blicke aufs Meer boten und uns die Strecke sogar etliche Huegel bot. Auf jedenfall auch einen Besuch wert ist der Shell Beach, ein 110 Kilometer langer, schneeweisser Strand. Er besteht vollstaendig aus kleinen Muscheln, welche so kompakt zusammengepresst sind, dass daraus Bloecke geschnitten werden koennen. Mit diesen Bloecken wurden Gebaude oder auch Strassen gebaut. Es war fuer uns ohne weiteres moeglich, mit vollbepackten Velos (50 Kg Velo plus Fahrer), auf dem Strand zu fahren!

Nun sind wir in Kalbarri angelangt und somit der Zivilisation um Meilen naeher gerueckt. Es ist ein wunderbares Gefuehl, wieder mal Baemue und farbige Wildblumen zu sehen, oder den starken Geruch der Eucalyptusblueten zu riechen. Nach wochenlanger Fahrt durch den Australischen Busch faellt uns all dies speziell stark auf! Waehrend den letzten 80 Kilometern hat sich die Umgebung total veraendert!

Von hier aus geht's langsam in Richtung Perth, wo wir wohl einige Zeit "Back in Civilisation" verbringen werden. Wir freuen uns auf diese schoene Stadt und den suedwestlichen Teil Australiens. Viel Schoenes und Gutes haben wir schon darueber gehoert. Wie's wirklich war erfahrt ihr im naechsten Bericht!

Ach ja, fast vergessen: Wir hatten wieder mal einen Platten! Den zweiten seit unserem Start in Los Angeles! Touch wood!!!

Und: Wir hatten vor drei Tagen den ersten Regen seit vier Monaten. Fast wie in der Schweiz, hae?! Ansonsten hat sich "alles beim Alten"

Hier noch die interessanten Defekte fuer alle Schadenfreudigen:

  • Platten 2 (insgesamt) Schwalbe Reifen sei dank!
  • Seidenschlafsach (zerlegt sich in seine Einzeltile)
  • 1 Thermarest Matte (hat sich eine riesige Blase gebildet)
  • 1 Brille verloren (im Sturm auf dem Willie-Schiff)
  • 1 Objektivschutz verloren (ebenfalls im Sturm auf Willie)

Sonst alles prima!

Ach noch was, ein kleiner Nachtrag in Sachen Zelt. Wir haben in unseren Berichten oefters die starken Winde erwaehnt. Es sind wirklich richtig starke Winde! Dies aeussert sich jeweils auch darin, dass man auf den Campingplaetzen waehrend der Nacht und am Morgen fluchende Stimmen vernimmt. Die fluchenden Stimmen gehoeren den Besitzern der vom Wind zerlegten Zelte! Wir haben mit unserem Hilleberg absolut keine Probleme gehabt. Auch die starke UV Belastung hier in Australien scheint ihm bis heute voellig egal zu sein. Wir koennen das Zelt wirklich allen weiterempfehlen! Es ist sensationell!

O.k. soviel aus Kalbarri. Wir wuenschen allen einen moeglichst angenehmen Herbst (nicht zu grau, nicht zu nass, nicht zu kalt, nicht zu neblig...) und melden uns aus dem Sueden wieder.

Take care!

Liebe Gruesse Thomy und Karin


Darwin - Broome (Northern Territory/Western Australia)

Broome, 9.9.00, The Old Zoo Cafe


Bei einem feinem Cafe am Indischen Ozean lassen wir uns den kuehlen, angenehmen Wind (Seabreeze) um die Nase wehen. Nun sind wir also an der Westkueste Australiens angelangt; der Teil durchs Outback liegt hinter uns. Aber beginnen wir doch besser beim Start in Darwin:

Nach einigen, teils ungeplanten Vorbereitungen (z.B. insektenmittelzerfressene Radtasche ...), verliessen wir am 12. August Darwin bei Sonnenaufgang. Die nordaustralischen Tage sind sehr kurz: Von 5.30 bis 17.30 Uhr ist's hell. Leider mussten wir hungrig starten, da wir unser Fruehstueck am Vorabend in den Kuehlschrank der Campers-Kitchen verstauten, und diese dann am Morgen jedoch abgeschlossen war ... Dies war auch der erste Tag, an welchem wir unseren kleinen BOB Anhaenger ausfuehrten. Bereits auf den ersten 100 Kilometern erhielten wir einen ungeschminkten Eindruck des Radelns in Australien: Saulange Strecken zwischen Wasserstellen, verdammt heisse Temperaturen, und unheimlich viel Nichts zwischen den kleinen Oertchen, welche meist nur aus einer Tankstelle und einem Pub bestehen. Du faehrst von einem zum andern Horizont und dahinter wartet bestimmt schon der naechste! Aber das geht alles noch prima, doch so richtig uebel sind die ueberfahrenen, elendstinkenden Tiere am Strassenrand. Das Angebot reicht von kleinen Voegeln, ueber die Kaenguruhs, bis hin zum Wasserbueffel. Die Duftwolke ist meist laenger, als ein velofahrender Durchschnittsmensch den Atem anhalten kann. Wir wissen es jetzt genaustens! Aber das allerschlimmste was passieren kann ist, wenn man nach den ersten drei Kilometern merkt, dass das Wasser welches man in alle Flaschen und die Wassertanks gefuellt hat, einen wirklich ueblen Geschmack hat. Man muss sich dann den ganzen Tag oder sogar zwei Tage zwingen, das eklige Wasser zu trinken. Du hast Durst wie noch nie zuvor und es ekelt dich jeder Schluck an. Das ist richtig hart. Aber immer noch besser als gar kein Wasser.

Der Wind ist meist eher angenehm als stoerend, da er den Koerper etwas abkuehlt, egal aus welcher Richtung er weht. Als sehr ruecksichtsvoll erlebten wir die bis zu 60m langen, fuer Australien typischen, Roadtrains. Diese LkW's mit bis zu vier Anhaengern, sind in diesem groessten Land der Welt, die einzige Moeglichkeit, grosse Mengen von Guetern ueber die riesigen Distanzen zu transportiern. Benzin, Frischwaren und lebende Tiere werden hauptsaechlich transportiert. Sie donnern mit ca. 100 km/h durch die Gegend und ziehen eine dichte, rote Staubwolke hinter sich her. Eines Tages, die Hitze war wieder gross, wurden wir von drei Cattle (Rinder) Transportern mit je drei Anhaengern ueberholt. Danach haben wir dermassen nach Kuhdung gestunken, dass wir uns beim Mittagssandwich kaum mehr vor den Fliegen retten konnten. Zum ersten mal mussten wir unser Fliegennetz ueber den Kopf stuelpen, um wenigstens so ein paar friedliche Minuten verbringen zu koennen. Die kleinen, ekligen Outback Fliegen suchen den letzten Tropfen Feuchtigkeit auf deiner Haut, sei es in den Augen, im Ohr, in der Nase oder am Mundwinkel. Sehr freundlich und das nervt gewaltig, bei 48 Grad Celsius!

Nach all diesen Beschreibungen unangenehmer Dinge, koennte leicht der Eindruck entstehen, dass wir hier "im falschen Film" sind. Doch weit gefehlt! Die Tage koennen noch so anstrengend sein. Spaetestens am Abend, irgendwo beim Bush-Camping, vergisst man die schwierigen Momente. Wer einmal im Leben einen Sonnenuntergang im Outback erlebt hat, der weiss, von was wir hier sprechen. Ebenfalls das unglaubliche Sternenzelt sowie der phantastische Sonnenaufgang sind einmalige Erlebnisse, fuer die sich jeder Schweisstropfen lohnt. Ebenfalls bieten sich uns unzaehlige Gelegenheiten, die Natur pur zu erleben. Die Tierwelt in Australien praesentiert sich uns als unauffaelligen Radfahrern aeusserst vielfaeltig. Wir treffen taeglich fruehmorgens auf Kanguruhs, spaeter auf lautstark kraechzende Kakadu- und Papageien-Schwaerme in allen Farben und Formen, verschiedene Adler-Arten, neugierige Rinder, Krokodile und andere Echsen, Schlangen, Spinnen, Termiten und Ameisen, teilweise sogar in unserem Zelt ... wir koennten noch lange erzaehlen!

Was das Radreisen in Australien ebenfalls leichter macht, sind z.B. die sehr freundlichen Caravan-Travellers, welche uns im Bush oefters mit einem kuehlen Drink, mit Fruechten oder Wasser ueberrascht haben. Ebenfalls bietet die Strecke atemberaubende Wasserfaelle mit natuerlichen Pools, Wasserloecher in Felsen, Schluchten mit 10'000-Jahre-alten Felsmalereien der Aboriginals usw. So verbrachten wir unterwegs natuerlich einige Zeit mit Kanufahren, Wandern, Baden und Nichtstun.

Unsere beiden treuen Stahlesel und der kleine Anhaenger fuehrten uns ohne grossen Probleme nach Kununurra, welches mitten im Nichts, zwischen Darwin und Broome liegt. Um den Radleralltag fuer einen Moment zu entfliehen, verliessen wir den sicheren Boden per Flugzeug und genossen sensationelle Blicke ueber dem Nationalpark Bungle Bungles, dem Lake Argyle und dessen Umgebung. Fuer uns war dies eine wunderbare Moeglichkeit dieses Gebiet zu sehen, da der Zugang sonst nur mit einem guten Gelaendewagen moeglich ist. Dies war ein absolut umwerfendes Erlebnis fuer uns!

Da die Temperaturen mit jedem Tag anstiegen, und fuer unseren bevorstehenden Streckenabschnitt noch deutlich heissere (ueber 50 Grad) erwartet wurden, beschlossen wir, fuer diesen eher oeden Teil den Greyhound-Bus zu nehmen. So kuerzten wir den Inlandteil etwas ab, und fuhren in einer Nacht 700 k's bis nach Derby. Wir verliessen Derby um 5.30 Uhr mit dem Sonnenaufgang und radelten in 2 Tagen nach Broome, die Stadt welche fuer ihre einzigartigen Perlen und deren Tauchern beruehmt ist. Dies war unser erstes Ziel an der Westkueste Australiens. Etwa 10 Kilometer bevor wir Broome erreichten, begruesste uns bereits die kuehlere Seeluft. Wir waren wieder am Meer! Nach einem Monat radeln durch das Outback, war dies ein unbeschreiblich schoenes Gefuehl!

Nun, da wir zurueck in der Zivilisation sind, geniessen wir diese natuerlich in vollen Zuegen. Ein herrlicher Strand, Beach-Cafe's, Palmen, tuerkisfarbenes Meer und gigantischmalerischromantische Sonnenuntergaenge bieten sich uns hier!

Fuer den naechsten Streckenabschnitt bot sich uns eine einzigartige Gelegenheit! Aber mehr wollen wir hier noch nicht verraten ... Der naechste Bericht wird das Raetsel lueften!

Bilanz:

  • Gesoffene Liter pro Tag pro Person: zwischen 7 und 10 Liter
  • Platte Reifen: Immer noch nur einer! (Der in den USA)
  • Sonnenallergie: Eine
  • Getrunkene Australische Biere: Einige
  • Ausgesprochene Fluchwoerter: Etwa drei ...
  • verkaufter BOB Anhaenger: 1, an ein hollaendisches Paar Grund: Siehe naechster Bericht!

Ach ja, es ist lustig: Wir treffen immer wieder auf die gleichen Leute. So trafen wir z.B unseren schottischen Freund Ian in Broome wieder, der alleine mit dem Velo unterwegs ist und den wir vor drei Wochen das letzte Mal gesehen haben.

Falls irgend jemand einen aehnlichen Trip plant oder naehere Details wissen moechte; Fragt uns doch per Email.

O.k, das waer's fuer dieses Mal. Liebe Gruesse von uns

fischereieder


Reisebericht USA / CANADA von San Francisco nach Vancouver

KM 3599 Gefahrene Hoehenmeter 25500


Darwin, Northern Territory, Australia 9.00 Uhr, 33 Grad im Schatten, bei Cappucchino und Blueberry Muffin

"Himmel, Arsch und Zwirn ...", kam gestern unerwartet ueber Karin's Lippen, als sie etwas im Zelt suchen musste. Soviel zum Thema "Temperaturen" in Darwin ...

Ausserdem bestaetigen uns die ungefaehr 50 roten Punkte auf unseren Beinen, dass "Moskitoes and Sandflies" stattfinden.

Dazu noch eine Episode der besonderen Art: Da wir bereits in den USA mit den Blutsaugern zu kaempfen hatten, fuehren wir stets ein Antibrumm Forte mit uns. Um dieses Wundermittel auch in Darwin griffbereit zu haben, verpackten wir es in Vancouver in 2 Plastiktaschen und anschliessend in eine unserer wasserdicht-verschweissten Packtaschen. In Darwin staunten wir dann nicht schlecht, als wir beim auspacken feststellten, dass sich bei dieser Packtasche die verschweisste Naht aufgeloest hatte. Ein Riesenloch klaffte uns entgegen. Grund: Das Antibrumm leckte waehrend der Flugreise (Druck). Dieses Teufelszeug ist so scharf, dass sich sogar der Nahtleim aufgeloest hat. Was tun? Mit viel Glueck fanden wir einen Autosattler im Industriegebiet von Darwin, der uns kurzerhand eine Kostprobe seines excellenten Koennen's erteilte. Die Tasche wurde mit Autositzfaden genaeht und anschliessend mit Nahtdichter von Thomy behandelt: Ready to go!

Wir sind also nun in Australien! Nachdem wir in Vancouver einen Bikeshop aufgesucht haben, die sperrigen Boxen muehsam mit dem Bus und zu Fuss nach hause geschleppt hatten, stellten wir fest, dass unsere grossen Tourenbikes eben nicht in die Boxen passen. Super. Nach einem heissen Tip, welchen wir durch puren Zufall von einem zerzausten (zerlausten?) Weltenbummler erhielten, fanden wir schlussendlich passende Boxen in der Train Station von Vancouver. Karin allein mit zwei riiiiesen Boxen, musste den Busfahrer bezirzen, dass sie ueberhaupt mitfahren durfte. Die anderen Fahrgaeste liebten sie ebenfalls ueber alles ... soviel zum Thema "Verpackungsbesorgung" !! Ach ja, auch den Taxifahrer zum Airport mussten bestechen, damit er uns alle vier mitfahren liess.

Letztendlich hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Nach einer 50 stuendigen Reise von Vancouver nach Darwin, mit Kaffeepause in Honolulu, Lunch im winterlichen Sydney und Abendessen ueber dem Outback, erreichten wir total k.o. den tropischen Norden Australiens. Bereits in Sydney erfuhren wir hoecherfreut, dass unsere Bikes nicht mit uns nach Darwin mitfliegen werden. Dies erschuetterte uns nicht im Geringsten, wussten wir doch wenigstens, dass sie bereits auf dem richtigen Kontinent waren. Dies ist nicht selbstverstaendlich, wie sich ja beim letzten Flug herausgestellt hat ... fuer uns hatte es sogar noch einen Vorteil: Wir waren, ohne die Velos mitnehmen zu muessen, viel schneller im kuehlen Hotelzimmer. Nach einer guten Muetze Schlaf, kehrten wir am naechsten Morgen zurueck zum Airport um die Bikes abzuholen. Sie waren da! Unversehrt! Aber eigentlich wollten wir ja gar nicht ueber Australien erzaehlen, sondern den letzten Teil unserer USA / Canada Reise.

Am 18. Juni verliessen wir Berkeley. Nach 4 Wochen suessem Studentenleben und einem weichen Bett kehrten wir wieder ins "reelle" Camperleben mit hartem Nachtlager zurueck. Bereits am ersten Tag erfuellte sich ein langersehnter Wunsch von Karin: Einmal mit vollbepacktem Radl ueber die Golden Gate Bridge zu fahren. Was sie bis anhin nicht wusste: Die Winde, die um die Brueckenpfeiler pfeiffen, reissen so gewaltig an den Packtaschen, dass man leicht ausser Kontrolle geraet. Davon ein entspanntes Photo zu machen, war ein Ding der Unmoeglichkeit. Bei Bilderbuchwetter fuehrte uns der Weg unter anderem durch den phantastischen Point Reyes National Seashore Park in Richtung Northern California. Bei Kilometer 1528 trafen wir den ersten "Kean Biker", der sich ebenfalls fuer nordwaerts und somit gegen den Wind entschieden hat. (Alle anderen Velofahrer, und das waren sehr viele, winkten uns segelnd von der anderen Strassenseite suedwaerts zu.) Benjie, so war sein Name, hatte wohl einen Anhaenger dabei, aber weder Zelt noch Kocher im Gepaeck!! So verpflegte er sich tagtaeglich von Peanutbutter-Sandwiches und kalten Chili-Dosenfutter .... wir waren beeindruckt von seiner Verdauung! Dies zum Thema "Langzeit-Radfahrer".

Weiter nordwaerts fuhren wir vorbei am malerischen Mendocino, (bekannt aus dem Julia Robert Filmchen "Dying Young" und dem etwas abgedroschenen gleichnamigen Schlagersong), um bei Wesport die Kueste fuer eine Weile zu verlassen, und ins Inland Richtung "Redwoods" zu gelangen. Der Weg zu diesen gigantischen, weltberuehmten Riesenbaeumen, verlangte uns einiges ab. Bei 40 Grad Celsius hatten wir 1250 Hoehenmeter mit Vollpackung zu bewaeltigen. Umso groesser war die Freude, als wir den ersten dieser Riesen entdeckten! Bekannt durch das Bild, bei dem ein Personenwagen durch den Stamm hindurchfaehrt, locken diese Baueme heute viele Touristen an. Die Baeume, welche ueber 2500 Jahre alt werden koennen, haben sich ihrer Umgebung ueber Jahrtausende (feuchtes, nebliges Klima) angepasst. Sie haben ausserdem eine Faehigkeit entwickelt, den Buschfeuern und Waldbraenden standzuhalten. Sie sondern einen klebrigen Harz aus, welcher die furchige dicke Rinde vor dem Feuer schuetzt. Diese Rinde ist ausserdem ein perfektes Bewaesserungssystem. Das einzige, was diese fantastischen Zeugen der Zeit umbringt, ist der Mensch. Leider fuhren wir tagelang durch Gebiete, welche total kahlgerodetet waren. Gluecklicherweise sind die Baeume heute in den Nationalparks geschuetzt.

Ein Reisetag fuehrte uns durch die unglaubliche "Avenue of the Giants", eine 60 Kilometer lange gewundene Seitenstrasse durch den Redwoods-Urwald. Wir waren fasziniert von diesem unberuehrten Naturwunder. Die Baeume, welche auf natuerliche Weise umgefallen sind, z.B. durch Wind, bleiben 500 - 800 Jahre liegen, bis sie verrottet sind. Ein ungewohntes Knackgeraeusch holte uns aus unseren Tagtraeumen auf die Strasse zurueck: Tausende und Abertausende von 10 Centimeter langen Raupen, welche versuchten die Strasse zu ueberqueren, zierten die Strasse auf den naechsten 20 Kilometern. Es war fuer uns unmoeglich, allen auszuweichen, was sich dann jeweils mit einem ekeligen Knackgeraeusch aeusserte.

Wir liessen die beeindruckenden Redwoods hinter uns und gelangten zurueck zur Kueste. Dort empfing uns der Gegenwind wieder freundlich und heftig. Mit dem Wind im Gesicht machten wir uns auf den Weg zum Staate Oregon. Oregon's Kuesten sind schwierig in Worte zu fassen. Schlicht und einfach: Atemberaubende Naturschoenheit! Es war ein Traum, durch diese wilde, herrliche Landschaft zu radeln und mit allen Sinnen wahrzunehmen. An der ganzen Kueste findet man schmucke Ortschaften, welche zu einem gemuetlichen Coffee-Break mit frischduftendem Muffin einladen. Oregon's Kuesten haben ausserdem erstaunlicherweise riesige Sandduenen inmitten von Waeldern zu bieten. Dies ist eine Attraktion fuer alle 4WD-Freaks. Ist es doch erlaubt, mit allem was sich im Sand fortbewegen kann, die Duenen unsicher zu machen. Einer gebrochenen Speiche sei dank, dass wir den wahrscheinlich schoensten Statepark Oregon's mit See, Duenen und Wald entdeckt haben. Ach ja, dort trafen wir auch einige hundert Moskitoes ... aber diese konnten uns nicht von unseren perfekten Eindruecken Oregon's abbringen.

By the way: Es lohnt sich, in Tillamook (Oregon) die Tillamook Cheese-Factory zu besichtigen. Nicht nur fuer Emmi-Fans ... Karin wurde es ganz warm ums Herz ....

Ein anderes Kapitel fing an jenem Tag an, an dem wir Oregon in Richtung Washington State verliessen. Es regnete in Stroemen und wir mussten unsere schwere Regenkleidung hervorkramen. Da die Temperaturen trotz des Regens sehr hoch waren, schwitzten wir uns die Seele aus dem Leib ... puh. Allmaehlich wurde das Wetter wieder besser - aber die Landschaft nicht. Washington State praesentierte sich uns als beaengstigend, langweilig, schmutzig und unfreudlich. Hier ist allerdings anzumerken, dass wir eine Inlandroute gewaehlt haben, und leider nicht der Kueste gefolgt sind. Das war ein grosser Fehler. Wir haben unserer vorgeschlagenen Route zu stark vertraut. Stundenlange Fahrt durch verkommene Slums und Huetten aus Planen mit unzaehligen Autowracks und sonstigem Schrott im Vorgarten. Hinter jedem Zaun, sofern einer existierte, klaefften und bellten verfilzte agressive Hunde. So war es denn auch nicht erstaunlich, dass wir zweimal ernsthaft von Hunden attackiert wurden. Thomy musste unseren Pfefferspray einsetzen. (Danke, Kathrine und Ruedi!) Diese negativen Erfahrungen veranlassten uns, die Tagesleistung hochzuhalten um moeglichst schnell nach Seattle zu gelangen.

Die Ueberfahrt nach Seattle mit der State Ferry wie auch der letzte Teil in Richtung Seattle per Bike waren wieder - wie gewohnt - wunderbar. Seattle empfing uns sehr freundlich sodass wir dort einige ruhige Tage verbrachten und Seattle's Best Coffee genossen.

Eine weitere Faehre brachte uns zu den sensationellen San Juan Islands. Dort besuchten wir die Hauptinsel San Juan und waren von anfang an begeistert. Wir fuehlten uns wie in den Ferien!! Har, har. Auf einer Inselrundfahrt mit dem Velo, in Begleitung von Johnny, dem Man aus Vancouver, erlebten wir ein absolutes Naturspektakel und Highlight unseres ersten Reiseteils: Eigentlich erwarteten wir an jenem Tag innsgeheim, einen Wal zu sichten. Leicht enttaeuscht, da unsere Erwartung nicht eingetroffen war, machten wir uns bereits auf den Rueckweg zum schoenen Campingplatz. Ploetzlich schrie Johnny auf: "See, the Whale-Watch-Boats overthere!" Wir stoppten aprupt und schauten gespannt in Richtung Boote aufs Meer hinaus. Die Boote kamen genau auf uns zu. Da! Inmitten der Boote sahen wir eine riesige schwarze Rueckenflosse auftauchen und wieder verschwinden. "Orcas!", schrie Johnny, und riss seinen Stahlesel herum, um ein Stueck zurueckzuduesen, wo ein Felsvorsprung dirket ins Meer ragte. Natuerlich preschten wir unserem "Tourguide" hinterher. Im Laufschritt hetzten wir auf diese Felsnase und da kamen sie auch schon. Es waren mindestens 20 Wale, welche direkt auf uns zuschwammen. Sie sprangen in die Luft und spielten miteinander. Letztendlich zogen sie so nah an uns vorbei, dass wir ihr lautes Atemgeraeusch deutlich hoeren konnten. (ca. 30 Meter Entfernung!) Wir waren wie versteinert. Dann kehrten einige von ihnen nochmals zurueck, um sich uns noch von der anderen Seite zu praesentieren. So sassen wir da, eine gute Stunde, trauten unseren Augen nicht und vergassen fast, das Ganze Spektakel noch bildlich festzuhalten.

Nach den Tagen auf San Juan Island, verliessen wir die USA per Faehre in Richtung Vancouver Island, Canada. Wir verbrachten einige Tage im huebschen, "englischen" Hauptort Victoria, wo wir in einem Hostel hausten. Ist ja eigentlich nichts aussergewoehnliches! Wir hatten einen private Room, den man nur erreichen konnte, indem man durch einen "Frauen - Dorm" ging. So wartete Thomy jedes Mal auf ein histerisches Geschrei, wenn er das Zimmer betrat. Ist aber nichts passiert. Uff! Um die Suedkueste der Insel zu erkunden mieteten wir ein Auto fuer einen Tag. Wir reservierten einen Kompaktwagen. Als wir diesen am naechsten Tag abholen wollten, erhielten wir einen riesigen V8 Pick-Up zum gleichen Preis, da sie keine Kompaktis mehr hatten. Wir bedankten uns, und zischten ab mit dem Hoellengeraet. Was fuer ein Gefuehl, wieder mal Auto zu fahren und erst noch mit ueber 200 PS! Zu guter Letzt fuhren wir wieder per Bike nach Nanaimo zu Shirley und Tom (haben wir auf San Juan kennen gelernt) um dort ein wunderbares Pasta Dinner zu geniessen und die Nacht zu verbringen.

Wieder per Faehre (diese Fahrten sind wirklich super!) gelangten wir schiesslich nach Vancouver (Horseshoe-Bay). Wir suchten uns den Weg durch die prima Stadt in unser "Bed & Breakfast, After Dusk" by Doris and Joe. Wir wurden sehr freundschaftlich empfangen und mit wunderbarem Fruehstueck verwoehnt. Thanx Doris!

Fuer alle Radfahrer unter euch: Bestimmt kennt ihr die Velokleider Marke "Sugoi". Wir benutzen viele Stuecke dieser Marke auf unserem Trip wie auch zu Hause. Es bot sich uns die Moeglichkeit, die in Vancouver ansaessige Firma zu besichtigen. Was wir dort sahen, bestaetigte uns den perfekten Eindruck dieser Ware. Die ganze Produktion (inklusive Design und Druck der Stoffe) findet unter einem Dach statt. Jedes Stueck ist handgenaeht!! Wir denken, dass dies die Besten Bikekleider sind, die fuer Geld zu erhalten sind. Sehr zu empfehlen!

Wir verbrachten viel Zeit in der Stadt, den Parks, den Kaffees und den gewaltigen Outdoor-Shops, bis zum Tag an welchem die Sache mit den Bikeboxen ... aber das kennt ihr ja bereits.

Somit ist unsere erste Mission "Against the Wind" abgeschlossen. Das neue Motto fuer die naechsten 5000 Kilometer heisst: "Against the Dehydration"! Prost!

Hier noch die Bilanz der ersten 3599 Kilometer:

  • Platte Reifen: 1
  • Gebrochener Rueckspiegel: 1
  • Gebrochene Speichen: 2
  • Gebrochene Herzen: 0
  • Verzehrte Pasta: ca. 30 Kg
  • Ausgerissene Nieten von Packtaschen: 3
  • Fusspilz: 1 (linker Fuss)
  • Sonnenverbrannte Ohren: 1 Paerchen
  • Vernichtete Ice Creams: 4 (Dutzend)

....und Thomys Bikeschuhe haben sich in Einzelteile zerlegt.




KM 2494 4th of July 2000 Lincoln City, Oregon


 

Um 6.00 Uhr morgens weckt uns der Regen, der auf unser gemuetliches Zelt prasselt. Seit Wochen der erste Regen! Wir drehen uns in unseren Schlafsaecken, und blinzeln uns mit verschlafenen Augen zu. Doch das Lachen sollte uns an diesem Tag noch vergehen ...


So packten wir in stroemenden Regen unser Zelt und die restlichen sieben Sachen zusammen um unter einem Vordach ein trockenes Mueesli zu geniessen. Von Kopf bis Fuss eingehuellt in Regenklamotten, kehrten wir zurueck auf unseren Weg in Richtung Nord. Einige Meilen nach dem Start, wo wir eine lange steile Bruecke mit sehr schmaler Fahrspur zu ueberqueren hatten, blieb Karin mit einer vorderen Tasche an einem Gelaenderpfosten haengen. (Dies in voller, konzentrierter Fahrt!)Mit einem lauten Aufschrei von Karin und einem Knall, verabschiedeten sich die beiden vorderen Taschen von ihren Gepaecktraegern und landeteten in zwei Pfuetzen. Nachdem wir vom ersten Schrecken erholt hatten, prueften wir Mensch und Material auf bleibende Schaeden.(Natuerlich in stroemendem Regen!) Eine Tasche verlor bei dem Crash zwei Nieten der Aufhaengevorrichtung. Wir beschlossen, die Tasche notduerftig mit einem Packriemen zu befestigen und uns bis zum naechsten Coffee-Shop durchzuschlagen. Dort reparierte Thomy unter widrigsten Umstaenden die Tasche. Die Belohnung war ein warmer Coffee und ein riesiger Cinnamon-Twist!(Suesser, feinster, Zimtzopf ... mmmh.)


Guten Mutes setzten wir unsere Fahrt im Regen fort. Die Strecke war ausserordentlich verkehrsreich und langweilig. Ungefaehr 10 km vor dem Ziel, sass Thomy ploetzlich verdaechtig tief im Sattel. Der Grund: Sein Hinterrad verlor langsam aber sicher die Luft. Und das Mitten in der Pampa. (Es regnet immer noch!) Bei Regen verwandelt sich der reichliche Staub der Strassen in eine braunschwarze Bruehe. So kann man sich vorstellen, wie unsere Raeder, inkl. Taschen und Fahrer ausgesehen haben. Um irgenwo ein Dach zu erreichen, beschlossen wir, das Hinterrad jeden Kilometer notduerftig so hart wie moeglich aufzupumpen. Dabei stellten wir fest, dass unsere mitgebrachte Pumpe reiner Schrott ist. Endlich nach etlichen anstrengenden Pumpaktionen in den warmen Regenkleidern, erreichten wir eine Tankstelle. Dort gab es Wasser und Luft und ein Dach! Ein winziger Glassplitter war der Grund fuer unseren ersten platten Reifen, seit 2494 Kilometern.


Als wir endlich den in unserer Karte viel naeher eingezeichneten Campground erreicht hatten, hoerte es auf zu regnen. Wir brachten all unser Material wieder auf Vordermann, liessen das "pflotschnasse" Zelt trocknen (mittlerweile schien ja die Sonne wieder) und genossen dazu eine Riesenportion Ice Cream. Schliesslich war ja 4th of July!

Tja, auch bei uns laeuft nicht immer alles ganz so rund, wie es vielleicht scheinen mag. Aber das macht das Camperleben erst richtig spannend ...





Km 960, 26. Mai 2000, Berkeley (San Francisco)

Die "Zeit der Reife(n)" vergeht wirklich wie im Flug. Bereits liegen die ersten knapp 1000 km unserer Reise hinter uns.Als sei es gestern gewesen, erscheinen uns die Erinnerungen an unseren "Start" in Los Angeles: "Sorry, your luggage and your two bikes aren't here!" waren die ersten Worte im Land der unbeschraenkten Moeglichkeiten. Da standen wir nun, ohne Fahrraeder und ohne Taschen. Nachdem wir den Weg zwischen Airporthotel und Airline Helpdesk viele ale abgefahren hatten und immer wieder auf's neue vertroestet wurden, stand unser Gepaeck schlussendlich nach 2 Tagen im Hotel. Schockiert und versteinert standen wir da, als wir die verbeulten Fahrradboxen und all die geoeffneten und verzettelten Taschen vor uns sahen. Doch nach genauer Inspektion stellten wir fest: Trotz perfekter Verpackung der Fahrraeder ist es wohl unmoeglich, sie heil transportieren zu lassen. So waren Thomy's erste Reparaturarbeiten noetig, bevor die ersen Meilen gefahren waren. Das restliche Material war gluecklicherweise alles komplett.


Nach einer letzten Nacht im Flughafenhotel zogen wir frischen Mutes los. Wir liessen die Millionenstadt und das Highway-Ungetuem Los Angeles hinter uns und orientierten uns von nun an stets an der Kueste. nsere Richtung heisst "Nord".


Bereits am ersten Tag werden wir von diversen Leuten aufgehalten und nach unserem Ziel gefragt. "You are nuts!" und dergleichen mussten wir uns anhoeren, als wir bekannt gaben, dass wir zuerst San Francisco und danach Vancouver ansteuern. "hat's about the wind?" fragten alle erstaunt. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht so detailliert, weshalb alle so heftig reagierten, wenn sie erfuhren, dass wir nordwaerts unterwegs sind.

Auf jeden Fall war die Strecke bereits von Anfang an wunderschoen. Die ersten Kilometer fuehten uns ueber einen Bikepath (Radweg), der mitten auf den Strand gebaut ist. Spaeter dann muendete der Bikepath dann auf unsere eigentliche "Hauptachse"; Den Highway Nr. 1!


Der erste Eindruck dieses legendaeren Weges war getruebt von heftigem Feierabendverkehr. Aber, es hatte stts einen mindestens einen Meter breiten Streifen am rechten Rand der Strasse. Dieser fuer uns so wertvolle Streifen (manchmal auch Bike Lane genannt) sollte uns, ausser an ganz wenigen Stellen, bis nach San Francisco begleiten!

Die Vegetation in dieser Jahreszeit (April) ist aeusserst ueppig Die Straeucher, Blumen und Baeume am Strassenrand bluehen. Es herrscht eine unheimliche Farbenvielfalt. Es zeigt sich ein weiterer Unterschied zum Reisen mit dem Auto. Wir koennen die ganzen Blueten und Graeser riechen und sie unterscheiden. Von ganz suessem bis zum betoerenden Duft der Eukalyptusbaeume ist alles vorhanden. Es ist ein Gefuehl, dass man zuerst erleben muss, wenn man am fruehen Morgen durch einen Eukalyptuswald faehrt und einem der kuehle Duft in die Nase stroehmt!Das ist unvorstellbar!

Die erste Nacht verbringen wir am bekannten "Malibu-Beach". An diesem Abend konnten wir im glitzernden Meer die ersten Delphine ausmachen! Es war ein grossartier Moment, den wilden Tieren beim Spielen zuzusehen! Mit diesen Bildern im Kopf ging unser ersterTag schliesslich zu Ende.


Bereits beim ersten Campieren lernten wir, dass man die Campgrounds mit teilweise recht zwielichtigen Gestalten teilt. Es sind meist Leute, welche ein Zelt und evtl. noch ein Auto besitzen und auf dem Campground ein billiges zu Hause haben. Tagsueber arbeiten sie irend etwas und am Abend trinken sie Bier. Die gemischten Gefuehle die wir am Anfang hatten, sind mittlerweile weg. Die Leute sind friedlich, teilweise sogar sehr interessant!


Waehrend den folgenden Tagen folgen wir der Kueste, teils auf dem Hwy Nr. 1, teilweise auf Bike Wegen stets in Richtun Nord. Wir erleben sehr vieles an und auf der Strecke. So z.B. die bereits erwaehnten "Chaoten" auf den Campgrounds, sehr viele verschiedene Tiere, und eine stets sehr abwechslungsreiche Kuestenlandschaft. Wir werden begleitet von Delphinen, Pelikanen, ja sogar ein Koenigsadler laesst uns bis auf ca. 20 Meter an sich herankommen, damit wir ihn in seiner vollen, majestaetischen Groesse bestaunen und bewundern koennen. Die Kueste wechselt von zarten, grasbewachsenen Huegel bis hin zu schroffen und sehr hohen Klippen! Es bieten sich uns unzaehlige wunderschoene Aussichtspunkte, die uns schlichtweg den Atem rauben. Das Meer ist tiefblau!


Ein spezieller Punkt an der Pazifikkueste ist das Wetter. Es ist fast jeden Morgen sehr kalt und neblig. Der Nebel verzieht sch teilweise sehr schnell, manchmal bleibt er jedoch bis ca. 10.00 haengen! Sobald die Sonne sich durchgekaempft hat, breitet sich eine wohlige Waerme aus. Dann ist da der bereits erwaehnte Wind. Es gibt eine Regel, die anscheinen immer gilt: Der Wind kommt immer von Norden oder Nord-westen. Das ist leider genau die Richtung in die wir fahren! Zu unseren Erfahrungen mit dem Wind haben wir eine kleine Geschichte zu erzaehlen: Am 10. May hatten wir uns eine kurze Strecke von nur 40 m vorgenommen. So genossen wir anstatt einem, zwei Cappuchinos in einem der pretty coolen Cafes. Die Zeit verging und so gegen Mittag machten wir uns auf den Weg. Das war ein fataler Fehler! Nach ca. fuenf Kilometer (immer so um 12:00 mittags) fing der Wind an, unheimlich stark zu werden. Am Anfang machten wir noch Witze darueber. Das sollte sich aber noch aendern. Letztendlich fuhren wir in den kleinsten Gaengn um ueberhaupt noch mit maximalen 6 Kilometer pro Stunde fahren zukoennen. Koerperlich hat uns das Ganze bis aufs Letzte gefordert! Wir haben noch selten so viel Kraft auf dem Fahrrad verbraucht! Es war fuer uns eine gute Lehre! Wir wussten nun endgueltig, dass wir unsere Tage moeglichst frueh beginnen muessen, dass wir moeglichst weit kommen, bevor der Wind anfaengt. Der Wind an diesem 10. Mai war so stark, dass bei Karin eine Bindehautentzuendung am rechten Auge ausbrach und wir den Augenarzt aufsuchen mssten. Dort gab's eine Konsultaion von 80 und die dazugehoerigen Augentropfen fuer $ 46.10. Krank werden lohnt sich in den USA nicht!


So verbrachten wir denn eine Nacht im Motel, um das Auge zu schonen. Wir gaben dem Auge und uns einen Tag frei und setzten die Fahrt denn am 12. Mai um 8:00 Uhr fort.


Wir passten also unseren Tag der Sonne an. Wir stehen nun mit der Sonne auf (6:00) und kriechen bei Sonnenuntergang wieder in den Schlafsack. Dieser Rythmus hat sich als sehr gut erwiesen, was den Wind angeht. Ausserdem ist die Kueste im morgendlichen Licht am schoensten. Der einzige Nachteil vom fruehen Tagesanbruch st der, dass das Zelt vom Nebel und der feuchten Luft waehrend der Nacht sehr nass ist. Dies ist allerdings nicht sehr tragisch, da nach Ankunft am naechsten Ort genuegend Zeit zur Verfuegung steht, das Zelt trocknen zu lassen. Soviel zu unserem "Alltag als Nomaden".


Am 12. Mai, eta 100 Miles suedlich von Big Sur hatten wir ein besonderes Glueck. Dort befindet sich ein Strand, an dem sich momentan hunderte von Seeelephanten mit ihren Jungen aufhalten. Das war ein unvergesslicher Anblick. Die maennlichen Tiere erreichen eine Laenge von bis zu vier Metern. Der Strand hat eine Laenge von ca. zwei Kilometern und war voll dieser gewaltigen, massigen Tiere.


Wir verbrachten anschliessend zwei Tage in Big Sur. Nachdem wir den Weg dorthin (einer der schoensten Kuestenstreifen der Westkueste) bei schoenstem Wetter geniessen konnten, meinte es der Wettergott nicht besonders gut mit uns: Es regnete zum ersten und bis heute einzigen mal in Stroemen. Also flog unsere geplante Wanderung durch die gewaltigen Eichenwaelder (Redwoods) buchstaeblich ins Wasser. Totzdem: Big Sur muss man gesehen haben!

Die restliche Strecke nach San Francisco konnten wir wieder "trockenen Fusses" hinter uns bringen. In Monterey verbrachten wir nochmals zwei Tage. Es ist eine wirklich interessante, abwechslungsreiche Kleinstadt. Das Monterey Aquarium ist diebeste Austellung ueber Lebewesen im Wasser, welche wir je gesehen haben! Phantastisch!

Am 21. Mai schliesslich fuhren wir mit Sack und Pack in San Francisco ein. Auch dieser Tag praesentierte sich wieder von der schoensten Seite (Wetter). Von Sueden her umfuhren wir die ganze Stadt der Kuest entlang. Es boten sich umwerfende Blicke auf die grossartige Golden Gate Bridge, den Fisherman's Wharf, die Bay Bridge und, und, und. San Francisco ist ein wirklich spezieller Platz. (Hab ich ja schon immer gesagt, sagt Karin.)

Nach einer abenteuerlichen Fahrt mit unseren Packeseln in de BART (U-Bahn)erreichten wir am Abend unser neues Zuhause in Berkeley, in welchem wir nun waehrend der Schulzeit von vier Wochen wohnen. Es ist ein sehr schoenes Haus und unsere Lady ist wirklich nett.


Anscheinend hatte Thomy waehrend der letzten Fahrt - dem wohl bis heute heissesten Tag - nachSan Francisco zu wenig getrunken. So lag er von Montag Nachmittag bis Dienstag Abend mit fast 40 Grad Fieber im Bett.

Mittlerweile ist alles wieder in Ordnung und wir geniessen das Studentenleben in vollen Zuegen!

Hier noch einige Punkte unserer Route:

Los Angeles - Malibu - Port Huemene - Carpentiera - Pismo Beach - Morro Bay - Moonstone Beach - Big Sur - Monterey


Anmerkung: Falls irgend jemand plant, diese Strecke ebenfalls mit dem Bike zu befahren:

Richtung Sued geht's einfacher! Die Karten "Bicycle Touring Maps" von "Adventure Cycling Association" (erhaeltlich bei Velo Plus, Wetzikon) sind absolut super! Es lohnt sich, diese vorher zu besorgen.

Material besorgen in den USA: Es ist nicht mehr guenstiger, das Material in den USA zu besorgen. Evtl. in Kanada, aber nicht in den USA. Besorgt euer Material in der Schweiz, dann koennt ihr alles vorher testen!


km 00'000, 15. April 2000:

Zurzeit sind wir noch in der Schweiz und stecken mitten in den Vorbereitungen. Der Startschuss erfolgt am 30. April 00. Die Wohnung gleicht einem Schlachtfeld, die Räder sind schon ungeduldig im Stall bereit und wir werden allmählich nervös ...

Hier trotzdem schon mal eine kurze Beschreibung, was uns das nächste Jahr beschäftigen wird:

Wir fliegen zuerst nach Los Angeles. Um den neuen Tagesablauf "trainieren" zu können, beradeln wir zuerst den Highway No. 1 in Richtung Norden. In Berkeley (San Francisco) machen wir einen Unterbruch von einem Monat um die Schulbank zu drücken: Englisch pauken und die wunderschöne Stadt erkunden sind angesagt. 

Wir werden dann von Berkeley der No. 1 bis Vancouver (Canada) folgen.

In Vancouver werden wir unsere Drahtesel wieder flugtauglich machen um den Kontinetenwechsel nach Australien unbeschadet zu überleben. Wir werden Darwin im Norden von Australien als erneuten Startpunkt nehmen. Das Northern Territory und anschliessend die Westküste hinunter bis Perth im Südwesten von Downunder haben wir als ersten Teil am andern Ende der Welt geplant. Was wir anschliessend in Australien noch anstellen werden, steht noch in den Sternen. Lasst euch überraschen! 

Auf jeden Fall werden wir Anfangs 2001 Australien ab Alice Springs in Richtung Bangkok (Thailand) verlassen. Die Route in Südostasien haben wir erst ganz grob geplant. Wir wollen uns noch genauer vorbereiten um später die für uns interessanteste Route auszuwählen. Ihr werdet ja sehen, wo es uns dann hinzieht ... 

Falls jemand von euch noch offene Ferienpläne hat, und gerne mit uns am Feuer während des Sonnenuntergangs ein saftiges T-Bone-Steak braten möchte, das Rauschen der Wellen im Hintergrund: Setzt euch mit uns via Mail in Verbindung ...

Also, es bleibt uns nun noch, euch allen viel Vergnügen beim Lesen unserer Erlebnisse zu wünschen. Unsere Berichte werden ca. ab Mitte Mai mehr oder weniger regelmässig auf diesen Seiten veröffentlicht sein. Wir hoffen, dass es uns gelingt, das eine oder andere Foto im Web zu veröffentlichen. Wir wünschen euch in der Zwischenzeit alles Gute und dass auch eure Träume in Erfüllung gehen !

Liebe Grüsse                 Thomy & Karin                    CU SOON ! 

 

 

 

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